Am 17. Mai 1911 wurde der Bauantrag zur Errichtung eines Wohnhauses sowie zweier Gewächshäuser mit Vorhaus von der königlichen Amtshauptmannschaft genehmigt. Die Baufertigstellung erfolgte im August desselben Jahres nach vorliegenden Rechnungen der bauausführenden Firma Müller und Patzschke aus Taucha vom 8. August 1911 sowie der Bauglaserei R. Holke und F. Ehring vom 5. Oktober 1911.
Zur Ausführung beziehungsweise zur Fertigstellung der Gewächshauser liegt lediglich ein Kostenvoranschlag der Firma Aug. Scheibe, Gewächshaus- und Warmwasserheizungsbau Eilenburg vom 18. Juni 1911 vor und lässt damit deren Fertigstellung nachweisen.
Die komplette Fertigstellung kann auf Grundlage des vorliegenden Versicherungsscheins vom 31. November 1911 belegt werden. Eine Bescheinigung zur Benutzbarkeit von Schornsteinen nebst Zubehör liegt vom 4. Februar 1912 vor, woraus die komplette Fertigstellung der Gewächshausanlagen zu entnehmen ist. Damit waren vorerst alle genehmigungstechnischen Bautätigkeiten abgeschlossen.
Mit der betrieblichen Entwicklung und den zunehmenden Transportwegen, die sich über die Grenzen des Stadtgebietes hinaus erstreckten, investierte man in ein Pferd mit entsprechender Zugwagenausstattung. Aufgrund der baulichen Vorgaben erschien es sinnvoll, die Stallanlagen nach Osten zu erweitern, um so Platz für einen Unterstand des Wagens zu schaffen.
Dem Bauantrag vom 26. September 1927 zur Errichtung einer Durchfahrt östlich der bestehenden Stallanlagen wurde nicht stattgegeben. Aus brandschutztechnischen Bestimmungen war die Erweiterung nicht möglich.
Die Errichtung einer Blitzschutzanlage kann durch einen Prüfbericht über Blitzableiteanlage vom 5. Juni 1928 nachgewiesen werden.
Mit der betrieblichen Entwicklung bestand die Möglichkeit, einen Lieferwagen zu erwerben, um den Transportanforderungen gerecht zu werden.
Nach Kriegsende und Kapitulation legte man Landwirten und Gärtnern entsprechende Ertragsverträge vor, die Ertrag und Vergütung von zu produzierenden Gütern zur Volksernährung vorgaben. Der erhebliche Eingriff in die betriebliche Selbstbestimmung führte oftmals zur Aufgabe der Selbstständigkeit.
Nach Vorlage einer Baugenehmigung vom 23. Oktober 1950 für einen Anbau an das Kesselhaus erweiterte sich das betriebliche Kapital, um so der Vorgabe der Sicherung der Volksernährung nachkommen und entsprechende Lieferverträge erfüllen zu können. Das Beschaffen betrieblicher Grundmittel – Kohle, Samen, Jungpflanzen – wurde mit den Lieferverträgen gekoppelt.
Durch die geforderten nötigen Produktionssteigerungen mussten betriebliche Investitionen vorgenommen werden, die Produktionsoptimierungen erlaubten.
Nach vorliegender Baugenehmigung zum Abbruch und zur Neuerrichtung eines Schornsteines vom 15. September 1952 versuchte man, der Sache gerecht zu werden. Durch ständige Erhöhung der Produktionserträge per Liefervertrag stellten sich betriebliche Autonomie und Selbstständigkeit immer mehr in Frage. Zudem wurde die Situation zur Beschaffung der betrieblichen Grundmittel zunehmend schwieriger.
Aus den vorbeschriebenen Gründen und aufgrund des steigenden politischen Drucks trat der bis dahin reine Familienbetrieb 1962 der GPG (Gärtnerische Produktionsgenossenschaft) bei, was die Übergabe aller betrieblichen Anlagen und Grundmittel bedeutete und somit Selbstständigkeit und betriebswirtschaftliche Autonomie beendete.
Der anrechenbare Genossenschaftsanteil, der in Form der Gesamtheit aller betrieblichen Anlagen sowie Neben- und Grundmitteln eingebracht wurde, belief sich auf 347,- Mark. Ab diesem Zeitpunkt war das Familienunternehmen Arbeitnehmer im der eigenen Betriebsstätte.
Auf den 7. Mai 1999 ist die Übertragung des Grundstückes von Kurt Bernd Weinert auf Axel Weinert datiert.
Weinert, Paul Richard (der Gärtnerei-Erbauer), geboren im Juni 1878, gestorben 1959; Beruf: Handelsgärtner
Weinert, Emilie Fanny, geborene Rosner, 30. 11.1881, gestorben 29. 11.1963
Eltern:
Weinert, Karl Friedrich Wilhelm, gestorben mit 52 Jahren am 02.01.1890; Schankwirtschaft/Gärtnerei Dewitz des verstorbenen Johann Heinrich Weinert
Weinert, Johanna Christiane Amalie, geborene Reiche, gestorben mit 60 Jahren 09.05.1904; einzige Tochter des herrschaftlichen Schafmeisters zu Falkenhain, Johann Gottlob Reiche
Kinder:
Erstes Kind: Paul Richard, geboren im Dezember 1904, gestorben 20. 10.1905
Zweites Kind: Friedrich Karl geboren 24.03.1906, gestorben 15.11.1992; Gärtner
Drittes Kind: Felix Kurt geboren 08. 11 1909, gestorben 21.09.1943 (Italien); Gärtner
Viertes Kind: Milda Irma geboren 01.10.1921, Sterbedatum unbekannt
Nachkommen:
Weinert, Kurt Bernd, geboren 04.10.1940; Schlosser (Vater Felix Kurt Weinert; Mutter Ilse Gertrud Weinert, geborene Matthes, geboren 01.12.1911, gestorben 13.09.1992)
Weinert, Walther; Gärtnermeister (ohne Angaben Vater Friedrich Karl; Mutter Ilse Gertrud Weinert)
Nachkommen:
Weinert, Frank, geboren 16.05.1969; Kraftfahrzeugschlosser (Vater Kurt Bernd Weinert; Mutter Elisabeth Weinert, geborene Hörl, geboren 23.01.1945)
Weinert Axel, geboren 28.06.1975; Landschaftsgärtner/Diplomingenieur für Landschaftsarchitektur (Vater Kurt Bernd Weinert; Mutter Elisabeth Weinert)
Rechnung des ersten Lieferwagens zur Entlastung des Pferdes
Fahrzeugpapiere
Abschlußbild Gärtner 1927 mit Richard Kurt Weinert
Walter, Karl, Ilse und Elisabeth (geb. Hörl) beim Ausflug im neuen Auto (von links)
Und das ist für alle Gärtner eine kleine Erinnerung aus vergangener Zeit: die abgebildete Bodenfräse von Siemens und Schuckert ist wieder bei uns.
Hier exemplarisch einige alte Rechnungen für neugierige Gärtner:
Mit dem Rückkauf des Geländes nach langer Klage von der Treuhand im Jahr 1995 durch Bernd Weinert wurde der ehemalige Familienbesitz rückgeführt. Erste bauliche Sicherungsmaßnahmen finden statt.
Zum Zeitpunkt des Weiterverkaufs an Axel Weinert zeigte sich 1999 dieses Bild.
Mit Kauf und grundbuchlichem Eintrag galt es nun, sich zahlreichen Herausforderungen und Fragen zu stellen.
Das Grundstück war circa zehn Jahre nicht bewirtschaftet beziehungsweise in wahlloser Form genutzt worden und das war ihm eindeutig anzusehen. Das gesamte Grundstück trug erhebliche Spuren der Vermüllung, so dass mit deren Beseitigung in erster Linie begonnen werden musste.
Mit der Beseitigung von Altlasten begann natürlich ebenso der Beginn von Planung und Ausführung der Gartengestaltung.Wir brauchten einen Plan!
Von nun an waren für mich als Gärtner auch Lichtblicke zu sehen und die Leidenschaft des Pflanzensammelns konnte ein Bild annehmen.
Anlage der geschwungenen Ligusterhecke
Die Sanierung des Gebäudes stellte uns oftmals vor erhebliche Herausforderungen: dies betraf nicht nur die Auseinandersetzung mit den bautechnischen Gegebenheiten, sondern vielmehr den notwendigerweise sensiblen Umgang mit der Substanz, einem wesentlichen Schwerpunkt bei der Sanierung.
Die eigentliche Sanierung sah so aus, dass bis zum Rohbauzustand alles entfernt werden konnte. Der Vorzug des Gebäudes war, dass innerhalb der Vielzahl von Jahren keinerlei Sanierung oder Wartung stattgefunden hat und somit alle Stilelemente von damals erhalten waren (Türen, Beschläge, Fenster, Unterteilungen der Räumlichkeiten, Decken usw.). Überprägungen baulicher Natur waren kaum vorhanden. Erste Schwerpunkte bildeten das Trockenlegen der erdberührenden Fundamentteile und eine neue Eindeckung des Hauptgebäudes – alles auf Grundlage der einstigen Planung und nach deren Vorgaben.
Nach langer Suche konnten die ersten Holzfenster nach den historischen Vorgaben gefertigt und eingebaut werden.
Das Fenster nach Süden wurde durch eine bodengleiche Tür ersetzt, so dass man von der Küche zum künftigen kleinen Balkon gelangt.
Die Sanierung des südlichen Anbaus stellte eine besondere Herausforderung dar. Der Anbau (eigentliche Errichtung unbekannt) muss jedoch in den ersten Bestandsjahren der Gärtnerei errichtet worden sein. Die ursprüngliche Planung sah eine Freitreppe vor. Die eigentliche zweiflügelige Haupteingangstür ist bis heute im Original erhalten geblieben. Der bestehende Westzugang mit innenliegender Treppe wurde rückgebaut, darunterliegende Aufschüttungen entnommen und der Zugang nach Osten gelegt. Vom Windfang blieb lediglich die äußere Hülle komplett belassen. Eine außenliegende nach Osten zeigende Freitreppe entstand. Zugleich ergab sich dadurch ein guter Platz für die Sanitäreinrichtung.
Folgende Bilder verdeutlichen den vorherigen Stil des Dachaufbaus.
Letzte farbliche Gestaltung der erhaltenene ehemaligen Haupteingangstür von 1911.
Windfang mit neuer Ebenenbildung
Der ehemalige Windfang war nun, nachdem weiterhin die mittlere Fensteröffnung geschlossen wurde, voll in das Gedäudeensemle integriert.
Entdeckte Balkenlagen
Nach Fertigstellung des Erdgeschosses konnten sich die Sanierung- und Umgestaltungsarbeiten mittels Bauantrag ab 2006 auf die vormals geplanten Nebengebäude und Stallanlagen konzentrieren. Hier wurden in Lauf der Zeit zahlreiche Umgestaltungen und Änderungen in der Nutzung durchgeführt. Nach Rückbau des Pultdaches und der Errichtung der zur statischen Grundsicherung notwendigen neuen Deckenplatte wurde entsprechend des Gebäudecharakters ein zusätzliches Krüppelwalmdach errichtet, das das zukünftige Büro und eine kleine Galerie beherbergen soll. Bei den Abrissarbeiten wurden wunderbar gut erhaltenene Balkenlagen freigelegt, welche in die zukünftige Gestaltung gut integriert werden konnten.
Das Gebäude mit neuer sichtbarer Kubatur.
Das große Fenster
Nachdem der erhebliche Umbau im Rohbau abgeslosssen war, kam Weihnachten 2008 das große Fenster in die ehemalige Toreinfahrt.